Faktoren wirtschaftlicher Reformkonzepte
Interessengegensatz von Kapital und Arbeit. Kapital ist ökonomisch immer daran interessiert, sich zu vermehren; ökonomische Arbeit ist immer daran interessiert,
sich selbst zu verringern.
Privatwirtschaftliche Verdrängungskonkurrenz. Wenn ich meine Autos verkaufen will, muss ich notwendig dafür sorgen, dass die Kunden nicht Autos von
anderen kaufen.
Internationale Standortkonkurrenz. Staatliche Wohlstands- bzw. Armutsorganisation mittels nationalegoistischer Steuerpolitik.
Ökologieproblem der Wachstumswirtschaft. Beispiel: Irgendwann stellen alle globalen Autofirmen zusammen zu viele Autos für die Weltbevölkerung her; dann kommt es,
auch bei nachhaltiger Produktionsweise, zur endgültigen Stagnation der Autowirtschaft - oder, bei traditionellem Ressourcenverbrauch, zur Umweltzerstörung.
Die Zins- und Zinseszinspraxis. Eine der stärksten Quellen des allgemein akzeptierten Irrglaubens, Geld könne arbeiten. Eines der stärksten allgemein anerkannten
Motive, am Privatbesitz und Einsatz von Spekulationskapital festzuhalten.
Das Problem der realen Wertschöpfung. Geld an sich hat keinen Wert - sondern immer nur als Darstellungsform lebendiger oder gegenständlicher Arbeitswerte. Deshalb
stellt sich heute, wegen des großen Anteils hochproduktiver „Maschinensysteme“ in Privatbesitz, die Frage der materiellen Wertschöpfung anders als noch 1950. Beispiele: Wem gehören die Rohstoffe? Den
Eigentümern der Abbaugebiete oder denen der Fördermaschinen? - Welches Geld können Handels- und Dienstleistungsberufe verdienen außer dem, das jeweils schon da ist? Wo aber kommen die jeweils
„neuproduzierten“ Geldwerte her? Werden sie von den heutigen Billigarbeitern an den teuren Hightech-Maschinen geschaffen oder in erster Linie von den Hightech-Maschinen selbst? Und wenn der Besitz
von (Maschinenbau)-Maschinen quasi „automatisch“ mehr Geld einbringt als der Einsatz lebendiger Arbeitskraft, wäre dann nicht eine „Produktivitätsbesitz“-Steuer heute grundsätzlich
sozialverträglicher als jede andere Steuerart?
Das Problem der Problemlösungsmethoden. Doch wer entscheidet? Wer sind die Subjekte der Volkswirtschaft? - Sind es die nationalen Gesetzesgemeinschaften oder sind
es die internationalen Interessengruppen der Klassengesellschaft? Und wie wird entschieden? Mit Vernunft oder Gewalt? - Da in Wirklichkeit nichts auszuschließen ist, sollte sich insofern jeder
Interessent an wirtschaftlichen Problemlösungskonzepten fragen, welche wirtschaftlichen Freunde und Feinde er selbst in Wirklichkeit hat.
Das Theorieproblem. Die genannte (Minimal)sammlung von Faktoren gehört volkswirtschaftlich zusammen. Man muss aber jeden Faktor auch einzeln berücksichtigen. Mit
anderen Worten: wenn auch nur ein Faktor theoretisch ausgeblendet bleibt, funktioniert jedes wirtschaftliche Reformkonzept höchstens noch am Stammtisch.
Zeit der Kompromisse